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Veröffentlicht am 27.04.2021 von Lothar Arnemann

Diskretion ist Datenschutz im Kleinen.

Wer von Datenschutz spricht, blickt dabei häufig in verdrehte Augen. Aus Gründen. Datenschutz kann durchaus ein Ärgernis sein, ein Bremsklotz, der einfache und pragmatische Lösungen drängender Probleme verhindert. Das zeigt sich auch in der Pandemie. Kontaktverfolgung z.B. ist hierbei wichtig. Wie bei allen Maßnahmen der Pandemiebekämpfung geht es dabei um Menschenleben. Dennoch machen wir nicht alles was machbar ist, sondern wir beachten die Grenzen, die der Datenschutz vorgibt. Wie so oft müssen wir hier Freiheit gegen Sicherheit abwägen. So weit, so abstrakt.

 

Meinungen entstehen im Konkreten 

Interessant wird es, wenn wir konkret werden – mit Blick auf Themen einerseits und Akteure andererseits. Wenn wir Themen in den Fokus nehmen, kommen wir schnell zu Problemstellungen und die sind unmittelbar mit dem Wunsch nach einer Lösung verbunden. Je deutlicher Datenschutz dabei stört, desto eher wird er abgelehnt. Die DSVGO hat das zuletzt ganz deutlich gezeigt. In vielen Bereichen ergaben sich plötzlich neue Störungen und Kosten in etablierten Workflows. Absurde Auswüchse eingeschlossen. DSVGO wurde zum Reizthema, wo immer es relevant war. Fast überall. 

 

Die wichtigsten Daten sind meine 

Konkretisiert man die Akteure, kommen schnell individuelle Interessen ins Spiel. Wenn es um die eigenen Daten geht, um spezielle Daten und um konkrete Fälle, in denen sie angegeben werden sollen, erscheint ein Schutz wünschenswert. Was wollen die mit meinen Daten? Wer erhält sie letztlich und was kann daraus gelesen werden? Diese Fragen stellen sich schon bei einem persönlichen Gespräch. Hier sprechen wir allerdings nicht von Datenschutz, sondern von Diskretion. Im Grunde dasselbe, nur nicht so stark reguliert. Diskretion ist Ehrensache. Schon mal gehört? 

Bei Personalberatung sind sowohl das Thema als auch die Akteure konkret. Logisch also, dass Diskretion in dieser Branche unverzichtbar ist. Jede Information, so unbedeutend sie alleinstehend sein mag, kann Sprengkraft entwickeln, wenn sie mit anderen ebenso unwichtigen Infos verknüpft wird.

 

Der Arbeitgeber ist … geheim

Die erste Information, die Personalberater nicht preisgeben, ist der Name des Auftraggebers. Damit kann schon zu Anfang des Gesprächs eine Hürde im Raum stehen. Falls der Kandidat fragt, trifft er auf Ablehnung. Eine schwierige Situation für jeden, der Vertrauen gewinnen und überzeugen möchte. Aber da muss der Personalberater durch. Weil Indiskretion ein KO-Kriterium ist. Zum Glück verschwindet diese Hürde schnell, sobald der Kandidat versteht, dass auch er diese Diskretion genießen wird. 

Grund für diese ist erst zuletzt die Sorge, der Dienstleister könne übergangen werden. Falls bekannt wird, dass ein Unternehmen eine Schlüsselposition neu besetzt, könnten Konkurrenten Rückschlüsse auf das zeitnahe Verhalten des Unternehmens ziehen oder auf langfristige Strategien. Zudem ist die Position zum Zeitpunkt der Recherche oft noch besetzt und der Amtsinhaber möglicherweise nicht auf dem Laufenden, was seine Zukunft im Unternehmen angeht. Vielleicht hat der Kandidat auch bereits Verbindungen ins Unternehmen und dann könnte Indiskretion sehr unangenehm auf die Personalberater zurückfallen. Unangenehm im Sinne von vernichtend. Also müssen seriöse Personalberater auch mal ein bisschen unhöflich sein. Wir entschuldigen uns schon jetzt im voraus bei unseren nächsten Gesprächspartnern.