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Veröffentlicht am 24.11.2021 von Lothar Arnemann

Im Dialog mit Generation Z

Die Herausforderungen, die Generation Z für Recruiter mit in den Arbeitsmarkt bringen werden, bzw. jetzt schon bringen, haben wir bereits beschrieben: Als zentrales Merkmal der zunehmend wichtigeren Zielgruppe für Arbeitgeber haben wir ein Mindset beschrieben, bei dem persönliche Freizeit und Familie im Mittelpunkt stehen. Wer ab 1999 bzw. 1995 geboren ist, möchte sich für die Karriere nicht aufreiben. Eine klare Trennung zwischen Beruf und Privatem sei gefragt. Gelegentliche gemeinsame Aktivitäten mit Kollegen, die in die Freizeit hineinreichen, seien unerwünscht. Unser Beitrag beruhte auf Studien von Simon Schnetzer, dessen Beschreibung seiner Methoden eher unscharf ist, und Prof. Christian Scholz, bei dem wir keinen Anlass zur Methodenkritik sehen. 

 

Alles geben, außer Zeit

Zu ganz anderen Ergebnissen kommt die 18. Auflage der „Recruiting Trends“-Studie des Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universitäten Bamberg und Erlangen-Nürnberg sowie des Karriereportals Monster, aus dem Jahr 2020. 

Hierfür wurden 3.500 Gen Z’ler, die Top 1000 Unternehmen und zusätzlich 300 IT-Unternehmen befragt. Laut „Recruiting Trends“ fordert die Gen Z zwar einiges von Arbeitgebern, ist aber auch bereit, ihrerseits enormen Einsatz zu zeigen. Sie seien sogar mehr als alle vorhergehenden Generationen bereit, „für ihren Job alles zu geben“. Gleichzeitig stehen Work-Life-Balance und Familie hoch im Kurs. Nun könnte man denken, dass nichts für die Familie hat, wer alles für den Job gibt, aber vielleicht ist das auch zu einfach, zu eindimensional. Letztlich geht es bei rund 70 % um Zufriedenheit. Der Job darf fordernd sein, muss aber auch Sinn stiften. Hier können Arbeitgeber im Gesundheitswesen punkten. 

 

Das Gesundheitswesen ist ein Filter

Je nachdem, wen man fragt, möchte die Generation Z sich also entweder ihrem Privatleben widmen oder alles für den Job geben. Und nun? Beide Positionen können stimmen, je nachdem welche Teile dieser Generation man fragt. Wenn es um Mediziner geht, sprechen wir von Menschen, die den langen, steinigen Weg dieses Studiums auf sich nehmen, um schließlich enorme Verantwortung zu tragen. Dafür winken ein krisensicherer Job, gutes Einkommen und hohes Ansehen. Und in der Pflege nehmen Beschäftigte ähnliche Belastungen für weit weniger Gratifikation auf sich. Hierzu bleibt allerdings anzumerken, dass die Pandemiesituation die Lage nachhaltig verändert. 

 

„Generation“ ist kein trennscharfer Begriff 

Unabhängig von ihrer Haltung ist diese Generation die Zukunft. Und ob Karriere oder Familie an erster Stelle stehen: die attraktivsten Arbeitgeber werden die besten Leute kriegen

Die Frage ist: Wie erreichen die Unternehmen sie? Spätestens hier wird deutlich, dass eine Generation keine homogene Gruppe ist. Insgesamt kommuniziert sie anders als ältere, aber zwischen Schülern, Auszubildenden und Studierenden, die alle dazuzählen, gibt es hierbei Unterschiede. 

 

Suchverhalten der Gen Z 

Bei der aktiven Suche nach Stellen bauen alle auf Suchmaschinen und Online-Börsen. Auch persönliche Empfehlungen und soziale Netzwerke sind für alle in unerheblich unterschiedlichem Maße wichtig. So weit, so herkömmlich. Jobs müssen unter SEO-Aspekten ins Netz gestellt werden und die Präsenz bei LinkedIn und Xing ist nötig. Aber nicht nur die Business-Netzwerke sind bedeutend, auch die unspezifischen. Damit meinen wir aber weniger facebook, sondern Instagram und TikTok. Hier werden auch persönliche Erfahrungen aus Bewerbungen geteilt. Vor allem schlechte machen schnell die Runde. 5 von 10 Kandidaten berichten davon und 6,5 von 10, die davon erfahren, schließen das betreffende Unternehmen aus.  

 

Die richtigen Kanäle im direkten Dialog

Besonders spannend ist die Frage der 1:1-Kommunikation. Stichwort: Active Sourcing. Der bevorzugte Kanal der Digital Natives ist E-Mail. Erst an zweiter Stelle treten Unterschiede auf. Wenn es nicht E-Mail ist, bevorzugen Schüler WhatsApp, Azubis das Telefon und Studenten Nachrichten in Business-Netzwerken.  

Unkomplizierte und schnelle Bewerbungsprozesse sind entscheidend. Formulare sind nicht gern gesehen und Antwortzeiten von mehr als einer Stunde hinterlassen schon einen schlechten Eindruck. Das legt die Nutzung von Chatbots nahe. Allerdings lohnt es sich, in die direkte Kommunikation zu investieren, denn: 

„Jeder dritte Kandidat der Generation Z hat sich durch die Direktansprache bei einem Unternehmen beworben, bei dem er sich sonst nicht beworben hätte.“