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Veröffentlicht am 19.07.2021 von Lothar Arnemann

Quereinsteiger willkommen.

Wir würden freuen, wenn dieser Beitrag rege geteilt wird, um aus unserer Filterbubble herauszukommen. Er richtet sich nämlich nicht an unsere eigentliche Zielgruppe, die im Gesundheitswesen arbeitet. Vielmehr möchten wir alle anderen ansprechen, potenzielle Quereinsteiger, um genau zu sein. Das Gesundheitswesen könnte sie gut gebrauchen. 

Vom Eventmanager zum Virologen?

Natürlich kommen nicht alle Berufe für einen Quereinstieg in Frage. Ein Eventmanager, der massiv unter den pandemiebedingten Einschränkungen seiner Arbeit leidet, wird kaum zum Virologen umschulen können. Jedenfalls nicht vor Ende der Pandemie. Das bleibt zu hoffen. Im Bereich der Pflege und Verwaltung sowie im kaufmännischen Bereich sieht es anders aus.

 

Sinnsuche führt zur Pflege

Dass in der Pflege Personalmangel herrscht, gehört spätestens seit der Pandemie zur Allgemeinbildung. Dabei ist gerade hier der Quereinstieg gut möglich. Während die Ausbildung zur examinierten Pflegekraft mehrere Jahre in Anspruch nimmt, braucht es nur ein Jahr, um Krankenpflege-Assistenten zu werden. Pflegehelfer lernen ihren Beruf in einem 200-stündigen Basiskurs, Sterilisationsassistenten und Rettungshelfer werden noch schneller ausgebildet. Unabhängig davon, wieviel Zeit die Ausbildung beansprucht, eines ist sicher: Wer in seinem Beruf sinnvolle Aufgaben vermisst, wird sie im Gesundheitswesen finden. 

 

Abstraktes Wissen ist übertragbar

Im Bereich von Verwaltung und Management sind Quereinstiege noch einfacher möglich. Ein Diplomkaufmann bringt theoretisch bereits die nötigen Qualifikationen mit. Allein die branchenspezifische Praxis fehlt Quereinsteigern aus dem Management eines Industriebetriebs zum Beispiel. Dies wiegt weniger schwer, je größer und damit abstrakter der Verantwortungsbereich ist. Der CEO eines internationalen Klinikbetreibers, um ein überspitztes Beispiel zu nennen, ist vom Tagesgeschäft so weit entfernt, dass spezifisches Branchenwissen weniger bedeutet, als für Geschäftsführer kleinerer Krankenhäuser. Hier ist Detailwissen unverzichtbar – allein schon, um die verschiedenen Berufsgruppen zu koordinieren und ihre Interessen der zu harmonisieren. Die Bereiche HR und Finanzen hingegen sind auf allen Karrierestufen gut zugänglich für Quereinsteiger. 

 

Offen sein für neues Denken

Zulauf aus anderen Branchen wäre nicht nur eine quantitative Bereicherung, um offene Stellen besetzen zu können. Denkweisen, Prozesse und Fachwissen aus anderen Kontexten können auch wertvolle Impulse für wichtige Innovationen im Gesundheitswesen geben. Schon ein entsprechendes Gedankenexperiment könnte interessante Ideen hervorbringen, wenn wir zum Beispiel fragen, was Manager eines Anbieters für Micro-Mobilität zur Entwicklung eines Krankenhauses beitragen können? Die Frage ist vielleicht gar nicht so aburd. Wenn der Umgang der Nutzer mit den E-Scootern sich nicht bessert, könnten schon bald Arbeitskräfte aus dieser Branche neue Herausforderungen suchen. 

 

Anwerben genügt nicht

Unternehmen die offen für Quereinsteiger sind und sich neue Sichtweisen in ihren Betrieben wünschen, sollten allerdings auch ihre Kulturen so gestalten, dass sie attraktiv sind für innovative Köpfe, die gestalten wollen und können. Selbst wenn es gelingen sollte, diese Kräfte zu gewinnen, würden sie ansonsten Fremdkörper im Unternehmen bleiben, die ihre Potenziale nicht entfalten können. D.h. man kann Veränderungen nicht einfach einkaufen. Die Unternehmen müssen sie selbst initiieren.