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Veröffentlicht am 03.08.2021 von Lothar Arnemann

Raus aus dem Kittel?

Nachdem wir uns zuletzt mit dem Thema des Quereinstiegs ins Gesundheitswesen beschäftigt haben, soll es heute um das Gegenteil gehen. Ärzte als Aussteiger aus dem Gesundheitswesen. Welche Möglichkeiten bieten sich Ärzten, die im Klinikalltag bzw. in der (eigenen) Praxis nicht mehr zufrieden sind?

Arzt ist nicht der einzige Beruf, den man mit einem Medizinstudium in der Tasche ergreifen kann. Viele Mediziner fangen gar nicht erst in einem Krankenhaus oder einer Praxis an. Andere steigen aus, wenn sie im Arztberuf nicht finden, was sie sich erhofft hatten. Aber wie geht es weiter, wenn es nicht (mehr) der klassische Weg sein soll? 

Das Studium als Nachweis der Leistungsbereitschaft

Die Möglichkeiten sind vielfältig. Das ist insofern kein Wunder, als ein Medizinstudium nicht nur Inhalte vermittelt, sondern auch eine Botschaft sendet: Wer so viel Zeit und Mühe in seine Ausbildung investiert, wie ein Medizinstudium es erfordert, ist leistungsorientiert. Wer gut abschneiden will, muss strukturiert vorgehen, Prioritäten setzen, andere Dinge zurückstellen, effizient arbeiten und Eigenschaften vorweisen, die bei vielen Arbeitgebern gefragt sind. Deshalb öffnet ein Medizinstudium Türen – auch wenn dahinter keine Patienten warten.

Gesundheit zählt überall

Hinzu kommt, dass Gesundheit ein facettenreiches Thema ist, dass Schnittstellen zu vielen anderen Themen aufweist. So ist es nicht verwunderlich, dass Mediziner uns als erfolgreiche Politiker, Entertainer oder Industriemanager begegnen. Vor allem die wirtschaftliche Dimension des Gesundheitswesens gewinnt an Bedeutung. Entsprechende Karriere-Optionen für Mediziner hatten wir kürzlich erst betrachtet. Was kommt noch in Frage?

Anderer Job, selber Ort

Wer sich zumindest räumlich nicht verändern will, kann ins Management eines Krankenhauses wechseln oder ins Medizincontrolling. Dort ist vor allem der Umgang mit dem medizinischen Dienst ein Bereich, in dem Ärzte brillieren können. Das gilt nicht nur auf Seiten der Krankenhäuser, sondern auch für die der Kassen, die fachkundige Gutachter brauchen. Die geregelten Arbeitszeiten bei den Krankenkassen sind für viele Ärzte verlockend. Es gibt sogar Ärzte, die ihren Beruf in Teilzeit weiter ausüben und die restliche Zeit im Medizincontrolling der Klinik arbeiten.

Wissen teilen und vermehren

Durch die Pandemie ist auch die Vermittlung medizinischen Wissens in den Fokus gerückt. Als Journalisten können Mediziner wichtige Aufgaben erfüllen, die über die Erstellung von Fachartikeln für Kollegen oder für Ratgeber hinausgehen. Damit eng verwandt ist der Bereich Public Relations. Auch hier kann medizinisches Fachwissen gefragt sein. Das nötige Knowhow über Kommunikation ist vergleichsweise einfach und schnell zu erwerben. 

Wissen kann natürlich ebenfalls in der Lehre weitergegeben werden – bei der Ausbildung von Pflegekräften oder Physiotherapeuten z.B. Auch Consulting-Unternehmen sind ständig auf der Suche nach Ärzten, um ihre Leistungen im Gesundheitswesen anbieten zu können. Pharma-Unternehmen und Entwickler von Medizintechnik brauchen Ärzte genauso wie Behörden, die mit der Entwicklung von E-Health-Initiativen betraut sind. 

Ausgänge gibt es genug

Allein die etablierten Optionen sind so zahlreich und vielfältig, dass Ärzte sich keine Sorgen über eine Zukunft ohne weißen Kittel machen müssen. Wenn man dann noch die unkonventionelleren Optionen berücksichtigt, die mit Infotainment und Plattformen wie Youtube verbunden sind, ist die Herausforderung eher die Entscheidung, als etwas zu finden. Ärzte sind in der komfortablen Situation, nicht nehmen zu müssen, was sie kriegen. Sie können sich von Ihren persönlichen Interessen und Talenten leiten lassen, um eine neue erfüllende Aufgabe zu finden. Auch finanziell können damit Veränderungen verbunden sein – sowohl im positiven wie im negativen Sinne.