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Veröffentlicht am 03.09.2021 von Lothar Arnemann

Welcher Stil führt zum Erfolg?

In unserem Artikel „Wie erkennt man den idealen Chefarzt“ hatten wir bereits den transformationalen Führungsstil vorgestellt. Hier möchten wir ihn näher betrachten und mit Alternativen zu vergleichen. Inwiefern ist er geeignet, die Erfolgsfaktoren eines Unternehmens zu fördern? Sind die Vorteile nur plausibel oder auch messbar? Gibt es bessere Optionen? 

State of the art: der transformationale Führungsstil

Zusammenfassend noch einmal kurz die wesentlichen Merkmale dieses Stils, auch bekannt als die "4 i“:

 ·       idealisierter Einfluss: Führungskräfte als Vorbilder 

·       inspirierende Motivation: Führungskräfte mit Visionen. 

·       intellektuelle Anregung: Abläufe hinterfragen 

·       individuelle Förderung: Führungskräfte als Coaches

Dies wirke sich positiv auf Gesundheit, Zufriedenheit und Leistung der Mitarbeiter aus, fördere die Kreativität der Gruppe und steigere den Erfolg des Unternehmens, so Dr. Tanja Fandel-Meyer von der Akademie für Bildung & Karriere am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Betrachten wir die Effekte bezüglich Mitarbeiterzufriedenheit und Unternehmensgewinn genauer. 

Wie misst man Zufriedenheit?

Die Zufriedenheit eines Arbeitnehmers mit seinem Job in vergleichbaren Werten zu messen, ist nicht einfach. Man kann Effekte analysieren. Als Indiz für ein gutes Arbeitsverhältnis kann z.B. die psychische Gesundheit der Mitarbeiter herangezogen werden. Infolge transformationaler Führung konnten Studien folgende Benefits zeigen: 

·       geringere Stresswahrnehmung

·       weniger Burnout Fälle

·       gesteigertes psychisches Wohlbefinden

Fazit: Bezüglich Wohlbefinden am Arbeitsplatz gibt es keinen besseren Führungsstil. Eine übersichtliche Zusammenfassung aktueller Studien dazu finden Sie hier.

Mit Blick auf Commitment und Motivation sowie Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen zeigten sich ebenfalls positive Einflüsse transformationaler Führung: Mitarbeiter sind motivierter und bleiben dem Unternehmen länger treu. Transaktionale Führung, die vor allem durch klare Hierarchien und Weisungen geprägt ist, konnte diese Erfolge nicht herbeiführen. Zumindest nicht bei höher qualifizierten Stellenprofilen. (Quelle)


Progressivität zahlt sich aus. Wahrscheinlich. 

Finanzielle Effekte des Führungsstils für ein Unternehmen sind ebenfalls schwierig zu belegen. Es ist plausibel, das zufriedene Mitarbeiter besser arbeiten und auch, dass geringe Fluktuation zu effizienten Arbeitsabläufen beiträgt. Auch, dass sich dies im Jahresergebnis widerspiegelt. Doch inwiefern ist dies messbar? Auch hierzu gibt es interessante Erkenntnisse aus der Forschung. Gründungen sind wahrscheinlicher erfolgreich wenn das Unternehmen transformational geführt wird. (Quelle)

 „Ling et al. (2008) stellten bei einer Untersuchung von 121 kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) mit durchschnittlich 62 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 4,9 Millionen US$ einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem transformationalen Führungsverhalten der CEOs, dem Umsatzwachstum und dem von den Mitarbeitern wahrgenommenen Unternehmenserfolg fest." (Quelle). Dieser Aspekt spiegelt sich im ganzen Unternehmen wider. Einzelne Mitarbeiter, Teams und Abteilungen sind effizienter als andere vergleichbare Einheiten, die nicht transformational geführt werden. (Quelle)

Der Forschungstand ist also relativ klar. Je mehr transformationale Führungselemente angewendet werden, desto zufriedener und produktiver sind die Mitarbeiter. Und umso größer ist der Unternehmensgewinn. 

Was sagt die Praxis zur Theorie?

Wie sieht der Stand aktuell in den Unternehmen aus? Die Hochschule Niederrhein bietet hierzu interessante Einblicke. Ihre empirischen Studien zur Führungskultur in Deutschland zeigen: Führung in Deutschland ist immer noch stark aufgabenorientiert. Der partizipative und integrative Beziehungsfaktor fehlt. Beispielweise benoteten die Befragten den Aspekt "fördert meine individuelle Entwicklung" im Schnitt nur mit einer Schulnote von 3,76. Das ist wenig erfreulich. Auch bei "nimm sich Zeit für mich" kommen Führungskräfte im Schnitt nur auf eine 3,16. Im Gegensatz dazu steht die hohe durchschnittliche bei "fordert von mir höchstes Engagement" auf 2,0. Dies spiegelt den in Deutschland eher vertretenen direktiven Führungsstil wider. 

Unser Tipp:

Wir empfehlen möglichst viele Elemente transformationaler Führung in den eigenen Stil aufzunehmen. Dies muss keine Revolution der Geschäftsleitung bedeuten. Auch eine Evolution ist möglich. Weder müssen alle Elemente auf einmal übernommen werden, noch jedes einzelne sofort zu 100 Prozent.