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Veröffentlicht am 15.11.2021 von Lothar Arnemann

Kann Agnes den Landarzt ersetzen?

Zwei Drittel der Deutschen benötigen mindestens einmal im Jahr eine fachärztliche Behandlung. Was in der Stadt bestenfalls einen Spaziergang oder eine halbstündige Fahrt mit Bus und Bahn erfordert, wird für die Menschen auf dem Land zur Herausforderung. Ohne Auto ist es zum Teil kaum möglich, den Arzt zu erreichen. Und selbst mit Kfz ist man unter Umständen nicht besser dran, weil die Patienten nach der Behandlung oft nicht fahrtüchtig sind. 

 

Das alte Problem der Zukunft

Die suboptimale medizinische Versorgung auf dem Land ist ein bekanntes Problem. Je weniger Einwohner ein Ort hat, desto länger der Weg zum Arzt. Eine Lösung des Problems ist derzeit nicht in Sicht. Im Gegenteil. Wir müssen eher mit einer Verschärfung rechnen, wenn in den nächsten fünf Jahren fast 30 % der derzeit tätigen Hausärzte in den Ruhestand gehen. Und die im Durchschnitt ältere Landbevölkerung wird bis dahin auch nicht jünger. Der ohnehin erhöhte Bedarf an Fachärzten wird dringender werden. 

Das Land lockt mit Geld

Die Kassenärztliche Vereinigung in Sachsen-Anhalt hat das Problem erkannt und Stipendienprogramme aufgelegt, die mit der Entscheidung der Studierenden verbunden sind, nach sich nach der Ausbildung zum Allgemeinarzt in einer ländlichen Region niederzulassen. Auch Praxisgründungen und Anstellungen von Ärzten können mit bis zu 60.000 bzw. 10.000 € bezuschusst werden. 

 

Des Anglers Wurm schmeckt dem Fisch nicht

Das klingt sehr gut. Nur ist fraglich, ob sich das Problem mit Geld lösen lässt, denn daran mangelt es den Landärzten im Vergleich zu ihren Kollegen in der Stadt nicht. Im Schnitt haben sie einen 16,6 % höheren Jahresüberschuss. Hinzu kommt, dass junge Ärzte die Prioritäten im Leben anders sortieren, als die älteren Jahrgänge. Privatleben ist vielen wichtiger als Geld und Karriere. Es sieht also aus, als wäre es sinnvoller, in die ländlichen Regionen zu investieren und dort attraktive Lebensmittelpunkte zu schaffen. Doch leider ist es wohl utopisch, dass dies in absehbarer Zeit möglich ist. 

 

Kreativität und Initiative helfen 

Deshalb gibt es zum Glück noch andere Ansätze. Gemeinden können als Träger regionale Behandlungszentren mit Ärzten verschiedener Fachrichtungen aufbauen so, wie es Büsum vorgemacht hat. Und die Uni Greifswald testet derzeit das aus der DDR bekannte Konzept der Gemeindeschwester im modernen Gewand. Hierbei sollen geringer qualifizierte, aber speziell ausgebildete Fachkräfte als verlängerter Arm von Ärzten fungieren und Hausbesuche machen. Der Arbeitstitel ist Agnes ­– eine Abkürzung für Arztentlastende, gemeindenahe, E-Health-gestützte, systemische Intervention. 

Nach ersten Umfragen stehen 50 % der Ärzte einem solchen Konzept aufgeschlossen gegenüber.  

Was in der Zukunft das META Verse mit Augmented Reality Hologrammen dazu beitragen wird, erwarten wir mit Spannung.